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Loslassen

Noch heute werden in ländlichen Gebieten Indiens Affen mit einer sehr ausgeklügelten Methode gefangen. Dafür schneiden Inder in ein Ende einer Kokosnuss eine Öffnung, durch die ein Affe mit seiner Hand genau hineingreifen kann.

Zwei Löcher bohren sie in das andere Ende, ziehen einen Draht hindurch und befestigen die Kokosnuss an einen Baum. Anschließend schieben sie eine Banane in die Kokosnuss. Der neugierige Affe wittert den Köder, greift hinein in die Kokosnuss und packt die Banane. Dadurch, dass der Affe seine Hand mit der Banane zur Faust macht, bekommt er sie nicht mehr durch die Öffnung. Der Affe bräuchte die Banane nur loslassen, um wieder frei zu sein, aber die meisten Affen schaffen es nicht ihre Beute wieder freizugeben.

Der Affe ist nicht vernunftbegabt. Es liegt nicht in seiner Natur, loszulassen, selbst wenn es sein Untergang ist. Wie steht es mit uns? Seit einigen Jahren stellt sich mit zunehmender Deutlichkeit heraus, dass wir mehr verbrauchen, als die Erde vertragen kann, dass es dadurch zum Klimawandel kommt. Klar ist auch, dass die Lösung vor allem im Loslassen besteht, im Loslassen von Konsumgewohnheiten: Weniger einkaufen, weniger Auto fahren, weniger Fleisch essen… Man kann jedoch den Eindruck gewinnen, dass wir unsere Vernunft vor allem dazu gebrauchen, um zu begründen, warum wir unseren Lebensstil nicht ändern können oder wollen.

Dann kam Corona und der Lockdown, und wir waren nahe daran, unsere Klimaziele zu erreichen. Manche haben dem sogar etwas abgewinnen können: Die Schönheit unserer Gegend genießen, anstatt weit in die Ferne zu fahren, die Abende im Kreis der Familie verbringen. Mit dem Ende der Einschränkungen jedoch wollen die meisten möglichst schnell die Freiheit zurückgewinnen, unsere Erde zu überlasten.

Nun haben wir Krieg in der Ukraine und damit die Notwendigkeit, unabhängiger von russischen Kraftstoffen zu werden. Das wäre eine hervorragende Gelegenheit, auf Reduktion des Verbrauches hinzuarbeiten. Statt dessen wird nun sogar Benzin subventioniert!

Man kann sich wirklich fragen, was alles noch geschehen muss, damit wir bereit sind, loszulassen, zu verzichten.

Der Apostel Paulus mahnt uns im Philipper-Brief (Kap. 2):
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.

Auferstehung bedeutet, dass dieser Weg des Loslassens, den Jesus gegangen ist, letztlich zum Leben führt – so wie für uns das Loslassen von manchen Konsumgewohnheiten zunehmend lebensnotwendig wird.

Wir sind vernunftbegabt. Wir können uns entscheiden, ob wir dem Beispiel des Affen folgen wollen oder dem Beispiel Jesu.

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