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Marienkirche erhält Strahlkraft zurück

Restaurator Enzinger informierte über die Arbeiten

Vor rund 90 Zuhörern sprach Restaurator Stefan Enzinger von den Werkstätten für Denkmalpflege in Oberteisendorf über die zum Großteil abgeschlossene Innenrenovierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt“. Im Rahmen des Benefizkonzertes erläuterte er ausführlich die Renovierung von Kanzel, Kreuzweg und Rosenkranzmedaillons dazu beleuchtete er auch den geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahr 2002 wurde mit Befunduntersuchungen begonnen. Dabei wurde analysiert, wie die Kirche in den verschiedenen Jahrhunderten ausgesehen hat. Die Renovierung der Raumschale begann 2004, ein Jahr später die des rechten Seitenaltar. Das Prunkstück der Kirche, der Hochaltar, wurde ab 2006 in Angriff genommen, ein Jahr danach der linke Seitenaltar.

Kanzel

„Die Kirche in Feldkirchen ist eine der letzten im Ordinariat München und Freising die solche umfangreiche Renovierung erfahren durfte“, sagte Enzinger. In der Pause des Benefizkonzertes folgte dann ein ausführlicher Überblick zu den jüngst durchgeführten Renovierungsarbeiten sowie ein geschichtlicher Abriss. Als erstes nahm sich Enzinger der Kanzel an. „Eine besondere Bedeutung kam in einer Wallfahrtskirche der Predigt zu. Im 16. Jahrhundert begann die Predigtkunst kräftig aufzublühen, und somit wurde die Kanzel zu einem wichtigen Schauplatz im liturgischen Geschehen. Dass die Worte des Priesters auch gezielt zu den Gläubigen gelenkt wurden und die Predigt in der ganzen Kirche verstanden wurde, diente die Kanzel und der Schalldeckel“, so begann Enzinger mit der Einführung. Mit dem Einbau der Elektroakustik erübrige sich heute ein Schalldeckel. Der in Feldkirchen neigte sich stark nach vorne und drohte herabzufallen und es musste ein Statiker hinzugezogen werden mit dem Resultat, der gesamte Deckel wurde abgebaut. Die Holzträger wurden ausgewechselt und zusätzlich die Architektur des Deckelaufbaus stabilisiert. Außerdem wurden die Träger der Kanzel überprüft und als „Gut“ eingestuft. Enzinger weiter. „Die farbige Fassung der Kanzel war nie so, wie sie heute aussieht. Es handelt sich um einen Kanzelumbau wohl aus einer anderen Kirche , weshalb historische Fassungen, die mit den Fassungen der Altäre zusammenpassen, fehlen.“ Die Fachbehörden hätten entschieden, die Farbe an die Altäre anzupassen.

Kreuzweg

Hauptsächlich mit Beginn der Fastenzeit werde von den Katholiken der Kreuzweg gebetet. Dabei sollten sich die Betenden mit dem Leiden Jesu auseinander setzen, darin aber auch die Not aller Menschen sehen und sie in ihr Gebet aufnehmen. Der Ursprung sei in Jerusalem, dort pilgerten die ersten Christen den Weg nach, den Jesus zum Kalvarienberg hinauf gegangen war. Als Pilger nach ihrer Rückkehr im 14. Jahrhundert in ihren Heimatorten anfingen die Kreuzwegstationen nachzubilden, endeten diese oftmals auch bei einer Nachbildung des Kalvarienberges, die Stationen schwankten zwischen sechs und 45. Die heute übliche Zahl der 14 Leidensstationen setzte sich erst im 16. Jahrhundert durch. „Hier in Feldkirchen gibt es noch eine 15. Station, auf der die Kreuzauffindung durch die Heilige Helena dargestellt ist. Der Sage nach reiste Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, im Jahre 325 nach Jerusalem und besuchte dort Grabungsarbeiten auf dem Kalvarienberg. Als man dort drei Kreuze fand, jedoch nicht wusste, welches das von Jesus war, ordnete sie an, einen Toten mit den Kreuzen zu berühren. Bei welchem der Tote erweckt wird, ist das gesuchte Kreuz. So geschah es auch nach der Totenerweckung wurde das Kreuz Jeus eindeutig identifiziert. Helena ist triumphierend mit dem Kreuz dargestellt“, so die Erklärung von Stefan Enzinger.

Bei den Bildern beschränkten sich die restauratorischen Arbeiten hauptsächlich auf diffizile Reinigungsarbeiten, wobei kleine Fehlstellen gekittet und retuschiert wurden. Der Aufwand bei den Rahmen wurde genauso vorgenommen, nur dass Ausbesserungen an den Vergoldungen gemacht werden mussten. Zu diesem Abschnitt sagte der Fachmann: „Die Bilder erhielten ihre ursprüngliche Leuchtkraft zurück und laden jeden wieder ein, den Kreuzweg zu beten.“

Rosenkranzmedaillons

Rosenkranzmedaillons waren früher im gesamten Kirchenraum verteilt. Jetzt wurden sie nach historischen Fotos um das Kruzifix an der Nordwand herum angebracht. Es handelt sich um Darstellungen des freudenreichen, schmerzhaften sowie glorreichen Rosenkranz. Noch relativ jung ist das Rosenkranzgebet , nämlich etwa 500 Jahre. Auch hier hatte Enzinger von den Werkstätten für Denkmalpflege in Oberteisendorf einiges Wissenswertes zu berichten. Dominik von Preußen gelobte einer Muttergottesstatue jeden Tag einen Kranz aus Rosen zu bringen. Als dieser in das Kartäuserkloster in Trier eintrat, teilten ihm seine Mitbrüder viele Aufgaben zu und daher fand er kaum mehr Zeit der Statue Rosen zu bringen. Das Gebet „Gegrüßet seist du Maria“ gab ihm sein Beichtvater auf. Das vielmalige Wiederholen des gleichen Gebetes fand er schnell langweilig und so kam ihm der Gedanke, nach jedem Ave Maria, eine Szene aus dem Evangelium dazuzufügen. Anfangs umfasste das Rosenkranzgebet 150 Szenen, welche das ganze Leben von Jesus umfassten und heute sind es etwa 20 bis 25 Szenen. Jede Szene wird zehn Mal wiederholt und wurde anfangs mit den Fingern abgezählt. „Wahrscheinlich waren auch Schreiner und Zimmerer unter den Kartäusermönchen, denen schon der ein oder andere Finger gefehlt hatte, und die dann immer schon früher fertige waren. Man erinnerte sich an Betschnüre, die von allen großen Religionen benutz werden. So wurde aus dem Kranz voller Rosen, der der Muttergottes dargebracht wurde über das Gebet zur Perlenschnur der heutige Rosenkranz“, erklärte der Restaurator.

Eine Blüte erlebte der Rosenkranz oder besser Stilblüte, um 1700. Damals mussten die Kirchgänger immer ihre „Betn“ dabei haben und sie nach Aufforderung durch den Priester vorzeigen. Wer sie vergessen hatte, musste am Sonntag darauf die Schinder- oder Schandbetn um den Hals hängen und sich vorne im Gotteshaus aufstellen. Damit war der ganzen Gemeinde klar, wie schlampig der Gläubige mit dem Rosenkranz umgeht.

„Diese Medaillons wurden nach dem neuen Konzept der Fachbehörden restauriert, wobei nur die Fehlstellen an den Oberflächen in der Umgebungsfarbigkeit eingestimmt wurden und keine Vorgängerfassung hergestellt wurde, wie bei den Altarfiguren. Die Figuren in den Medaillons waren allesamt versilbert und mit durchschimmernden Farben gefasst. Bei früheren Restaurierungen wurden Übermalungen abgenommen und die Erstfassung wieder freigelegt. Dabei entstand diese zerkratzte Oberfläche, die wir auch jetzt nach der Restaurierung noch gut erkennen können“, mit diesen Worten schloss Enzinger seinen Vortrag.

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Andreas Pils

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