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Filialkirche St. Erasmus in Bicheln

Ein Kleinod am Rande des Högl

Geschichte

Bicheln

Der Ortsname verweist auf das hügelige Gelände am südlichen Ausläufer des Högls. Die erste Erwähnung als ,,Puhila“ erfolgte um 923 und stand in Verbindung mit einem Gütertausch zwischen Erzbischof Pilgrim und der edlen Frau Ellanpurg, die sich den Besitz zu Bicheln, Hagenau und die Ainringer Überfuhr eintauschte. Ellanpurg, die in einer späteren Urkunde ,,monialis“ genannt wird und offenbar in das Salzburger Frauenkloster auf dem Nonnberg eintrat, dürfte demselben den Besitz zu Bicheln übereignet haben, denn dieser Ort zählte fortan zur Gundherrschaft des Nonnberger Frauenklosters. Wenn nicht schon im 15. Jh. entstanden, so ist für das 17. Jh. eine lokale Wallfahrt zum hl. Erasmus belegt: So wird 1684 ein Schrank für die Aufnahme der wächsernen Votivgaben erwähnt, eine Votivtafel von 1696 ist heute noch erhalten.

Baubeschreibung

Das aus Bruchsteinmauerwerk bestehende Kirchenschiff lässt auf einen spätromanischen Bau des 13. Jh. schließen, worauf die Mauerstärke, die Rundfenster im westlichen Joch und festgestellte rundbogige, heute jedoch vermauerte Fenster an der Südseite (Breite 68, Bogenhöhe 126 cm), ebenso der grob geglättete dicke Kalkputz im Innern und das Fehlen eines Außensockels hinweisen. Gegenüber dem Außenniveau liegt der gepflasterte Kirchenboden um 4 Stufen tiefer. Der mit einem Außensockel versehene, nur gering eingezogene Chorraum mit 5 Achteckseiten und leichtem Knick nach Norden dürfte im frühen 15. Jh. anstelle einer romanischen Apsis angefügt worden sein, ebenso der Sakristeianbau im Süden (vermauertes Rundbogenfenster über dem Eingang). Ein kräftiger, abgefasster Chorbogen trennt das Langhaus vom Chorraum. Das Netzrippengewölbe ruht auf vorgelegten, ein halbes Achteck bildenden Diensten mit wulstförmigen Kapitellen. Die 1992 entdeckten und durch Freilegeproben untersuchten Seccomalereien an der Südwand des Langhauses stammen aus der Zeit vor der Einwölbung des Langhauses, da die großflächig durchlaufende Wandmalereien durch die Dienste und Gewölbeansätze zerstört wurden. Die ursprünglich kleineren Fenster des Langhauses erfuhren 1725 eine Vergrößerung und reichen nun bis zum Stichkappenscheitel des Gewölbes. Während das mittlere Fenster im Chor, wie aus einer Inschrift hervorgeht, 1755 zugemauert wurde, erfuhren die seitlichen Fenster eine Vergrößerung. Im Westen steht eine Vorhalle mit seitlichen Öffnungen. Der Turm ist als Dachreiter gemauert, der nach Westen leicht vorkragt und zu drei Seiten auf dem Dachgebälk ruht, mit trapezförmigen Giebel und hohem Spitzdach mit Holzschindeldeckung.


Ausstattung

Altar in Bicheln

Der stark veränderte Altar von 1613, der ehemals in Feldkirchen unter dem Chorbogen stand, wurde von der Marien-Bruderschaft gestiftet. Das Altarbild zwischen kannelierten Säulen zeigt die Schutzmantelmadonna, im unteren Drittel links Papst, Kardinal und Ordensleute, rechts Männer und Frauen in der Kleidung des frühen 17. Jh. Der Altaraufbau besaß ursprünglich eine Schwarz-Gold-Fassung. Auf seitlich weit vorkragenden Konsolen steht links die hI. Barbara mit Buch und Kelch, rechts die hI. Katharina mit Schwert und Rad, darüber sind kleine Bögen — bewegte Skulpturen aus der 1. Hälfte des 18. Jh., jedoch schlecht gefasst (St. Katharina ist übrigens Nebenpatronin der Kirche).

Altar in Bicheln

Auf dem gekröpften, mit Perlstäben versehenen Gebälk erscheint in der Mitte zwischen Voluten der segnende Gottvater mit Weltkugel im Strahlenkranz. Der Rokokotabernakel in Weiß und Gold zeigt eine Kreuzigungsgruppe in der Mittelnische, darüber ist auf Wolken eine Hostiendarstellung mit Lamm Gottes im Strahlenkranz zwischen geschnitzten Vasen als Aufsatz angebracht. Die 4 geschnitzten Rokokoleuchter, versilbert, stammen aus dem späten 18. Jh. Der aus Tuffsteinen gemauerte Altartisch hat eine Mensaplatte aus Adneter Marmor. Das Antependium aus Brokatpapier, spätes 18. Jahrhundert, ist mit modernen Borten besetzt. Der Bruderschaftsaltar befand sich ab 1640 hinter dem Hochaltar in Feldkirchen, von 1934 bis 1955 stand er in der dortigen südlichen Vorhalle und gelangte schließlich 1956 hier in Bicheln zur Aufstellung. Die Wände des Chorraums sind im unteren Bereich mit Holzvertäfelung verkleidet, die mit ihren profilierten Leisten und Füllungen ursprünglich dunkel gefasst war, spätes 17. Jh. Im Chorraum links steht ein Schmerzensmann (Ecce homo) mit Dornenkrone, lose umgehängtem Purpurmantel, einem Rohrstab als Zepter und Geißel, 1. Hälfte des 18. Jh. Rechts stehen die kleinen Figuren von Johannes dem Täufer und Jakobus mit Pilgerstab auf Rokokopostamenten, sowie eine bewegte Skulptur des auferstandenen Christus, Mitte des 18. Jh. An der nördlichen Langhauswand befinden sich Freilegungsproben einer großflächigzusammenhängenden Malerei mit figürlichen Szenen, die sich 1,50 m über dem Bodenniveau von Westen nach Osten, dem spätromanischen Baubestand, erstreckt und etwa 12 m2 einnimmt. Nach den 1993 vorgenommenen Untersuchungen durch den Restaurator Toni Mack ist der Erstputz Träger dieser Seccomalerei, die wohl im frühen 15. Jh., noch vor der gotischen Einwölbung der Kirche aufgebracht wurde. Die wenigen "Einblicke“ hinter die vielen Tünchschichten lassen noch keine inhaltliche und ikonographische Deutung der fragmentarischen Darstellungen zu, jedoch darf ein Zyklus aus dem Leben des hl. Erasmus vermutet werden, wofür die Szene im östlichen Joch, vielleicht das Martyrium vor dem römischen Kaiser Diokletian oder Maximian, sprechen könnte. Die hohe künstlerische Qualität und der relativ gute Erhaltungszustand der Malereien rechtfertigen eine Freilegung und lassen ein herausragendes Beispiel gotischer Wandmalerei erwarten, das überregional Beachtung finden wird.

Hl. Erasmus

Als bedeutendstes Kunstwerk der Hl. ErasmusKirche kann die Steingussplastik des hl. Erasmus über dem rundbogigen Sakristeieingang gelten, wohl eine Schreinfigur des ehemaligen gotischen Altares, Höhe 92 cm, um 1400, farbige Fassung aus der 2. Hälfte des 19. Jh . Der Kirchenpatron ist dargestellt mit einem nach unten gehaltenen Buch in der Linken und dem Bischofsstab in der erhobenen Rechten, angetan mit Mitra und Glockenkasel, darunter Dalmatika und Albe, die in leicht geknickten Röhrenfalten an den Füßen aufstößt. Die Plastik zählt stilistisch zum Typus des "Weichen Stils“, wofür Salzburg mit den "Schönen Madonnen“ ein Zentrum bildete, und weist sich aus durch die bewegte s-förmige Halterung, die Schlankheit des zierlichen Körpers, die Zartheit in Ausdruck und Bewegung und den Wohlklang des Faltensystems. Zu beiden Seiten schweben Engel mit den Attributen des Heiligen, dem Lorbeerkranz als Siegeszeichen des christlich erlittenen Martyriums und der Winde, womit ihm gemäß der Legende die Eingeweide aus dem Leib gezogen wurden, Mitte 18. Jahrhundert. An den beiden Längswänden hängen 8 große querformatige Ölgemälde auf Leinwand mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Erasmus (Weihe zum Bischof von Antiochien, während der diokletianischen Christenverfolgung verbirgt sich Erasmus sieben Jahre auf dem Libanon und wird von einem Raben gespeist, er zerstört durch sein Gebet ein Götzenbild, Erweckung eines Toten, drei Szenen des Martyriums und sein Tod in der Geburtsstadt Formio mit der Darstellung, wie zwei Engel mit seiner Seele zum Himmel schweben, wo ihn die Märtyrerkrone erwartet. Der hl. Erasmus ist Patron der Drechsler und Schiffer und wird angerufen bei Unterleibsschmerzen, Geburtswehen und Koliken. An der Nordseite des Kirchenschiffs ist ein Kreuz mit Schmerzensmutter zu sehen, Mitte des 18. Jh., darunter ein Votivbild von 1696. Gegenüber befindet sich eine Gnadenbildkopie "Mutter vom Guten Rat“ (Augustinerkirche zu Genazzano, südlich von Rom), 01 auf Leinwand, auf Holz aufgezogen, wohl spätes 18. Jh.


Baugeschichte

Beim Einbau der Kirchenheizung wurden 1970 die Fundamente von zwei Vorgängerbauten festgestellt, und zwar vom wahrscheinlich romanischen Bau (Breite etwa 6,50 m) und vom gotischen Neubau von 141 0/20. Der ursprüngliche Kirchenboden lag etwa 70 cm tiefer, ebenso der Friedhof. Der heutige Bau aus Nagelfluhrquader und Bruchsteinmauerwerk entstand unter Einbeziehung des vorhandenen Turmes zwischen 1516 und 1521. Die in ihren Maßverhältnissen großzügig konzipierte Kirche weist an der Außenseite einen umlaufenden Sockel und unter dem Dachansatz ein Kaffgesims auf, an der Stirn des nördlichen Dachgesimses gegen Westen ein Steinmetzzeichen (das gleiche am Wandpfeiler unterhalb der Kanzel im Innern der Kirche) mit der Jahreszahl 1518. Am Chor stehen etwa 3 m hohe schlanke Streben auf gewundenem Sockel und fialenartiger Bekrönung (schadhaft). Das mittlere Fenster der Ostseite wurde in der Barockzeit zugemauert. An der Südseite steht die zweigeschossige Sakristei, umgestaltet im 18. Jh., und die Portalvorhalle aus der Erbauungszeit der Kirche (heute Taufkapelle). Der aus Quadermauerwerk errichtete Westturm stammt in seinen unteren Geschossen mit den Schartenfenstern noch vom Vorgängerbau. Seine heutige barocke Gestalt erhielt er erst zwischen 1657 und 1659 durch Aufstockung um zwei Geschosse und einen zusätzlichen hohen achteckigen sowie durch Blindfenster (unten hoch- und oben queroval, gemalte Butzenscheiben) gegliederten Aufsatz mit schlanker Barockhaube. Am Übergang vom Viereck zum Achteck befindet sich ein stark profiliertes Gesims, an dessen Ecken auf Sockeln vier Steinkugeln angebracht sind (Bauleitung Hofbauverwalter Johann Paul Wasner, ausführender Maurermeister Hans Hasenerl, Salzburg). Die Erhöhung des Turmes führte wegen der unzureichenden Gründung zur Gefahr des Einsturzes, der 1662 mit der Errichtung einer hohen geböschten Stützmauer an drei Seiten begegnet wurde (Hofmaurermeister Hans Nußdorfer, Salzburg), die dem oben schlanken Turm in seinem unteren Teil ein schwerfälliges Aussehen verleiht.


Würdigung

Der Baubestand des Langhauses von Bicheln lässt auf die Erbauung der Kirche im späten 13. Jh. schließen. Sie zählt damit zu den selten erhaltenen Landkirchen im weiteren Umkreis aus dieser Zeit. Mit der vorgesehenen Freilegung der entdeckten Fresken an der Nordwand aus dem frühen 15. Jh. und der vorhandenen Steingussplastik aus der gleichen Zeit, die allerdings einer Befreiung von der späteren Übermalung bedarf, wird sich in der Wechselwirkung von Bau und Ausstattung ein bedeutendes Gesamtkunstwerk ergeben, das die künstlerische Ausgestaltung einer Landkirche während der Gotik dokumentiert. Darüber hinaus wird mit dem so erzählfreudigen barocken Bilderzyklus des Kirchenpatrons St. Erasmus aus dem 18. Jh. ein exemplarischer Einblick in die Volksreligiosität und Wallfahrtsfrömmigkeit gewährt.


Bicheln´s Renovierung endlich abgeschlossen...

Ein Schmuckkästchen mehr in unserer Pfarrei und Gemeinde...

Fresken in der Kirche

Es hat über vier Monate gedauert, dieser letzte Teil der Renovierung, wobei die z. Teil freigelegten Fresken wieder geschlossen wurden (wie schon berichtet). Grund: zu hohe Kosten wären entstanden, wenn die Fresken vollständig freigelegt worden wären und dazu nicht absehbare Kosten für den Erhalt ihrer Qualität und uns von der Kirchenverwaltung war es vor allem daran gelegen, daß endlich die Massnahme zum Abschluß kam. Am Montag, 14. September, war es so weit: Der erste Gottesdienst wieder in der schmucken Erasmus-Kirche von Bicheln, gefeiert zum Fest "Kreuzerhöhung". Die Plätze reichen nicht aus für die Besucher, die auch von auswärts gekommen waren. An der Orgel Peter Reischl, und vorne Nähe Altarraum die Hammerauer Musikanten. Dabei war es dem Gemeindeleiter ein Anliegen, danke zu sagen: Der Mesnerin, Architekt Kredwig und allen Handwerkern, besonders S. Reichenberger für die Kirchenbänke. Dem Restaurator Klaus Klarner, aber besonders der Kirchenverwaltung, an erster Stelle dem Kirchenpfleger Hrn.. Friedberger. Extra genannt daraus seien Franz Butzhammer und Ludwig Eschlberger. Nun, die Arbeit war ja die Schließung der Fresken bis auf zwei Sichtfenster hinten links. Dazu Farbuntersuchung an der Erasmus-Figur und Ergänzung der Apostelkreuze an der Wand, neue Kirchenbänke in alten Farbeton. Die passenden Beleuchtungskörper, gefertigt von Hasenknopf Berchtesgaden,. Das Altarpodest wurde neu gemacht, sowie ein neuer Holzboden in der Sakristei verlegt. Der Handlauf am Eingang war wegen Verletzungsgefahr zu verkürzen und das Schloß der Kirchentür zu richten. Das Pflaster im Vorraum wurde ausgebessert. Die Rohre für eine spätere Einrichtung einer Alarmanlage sind ebenfalls schon gelegt. Die Kosten vor allem für die Kirchenbänke müssen wir selbst tragen. Für alles geduldige Verständnis, geistiges Mittragen und praktisches Mithelfen und besonders für bisherige Spenden und die regelmäßigen Sammlungen beim Gottesdienst in Bicheln soll hier namens der Kirchenverwaltung ein herzliches Vergelt´s Gott gesagt werden!


Übrigens

Jeweils am Dienstag in der Sommerzeit findet um 19.00 Uhr in Bicheln ein Gottesdienst statt. Voraus geht um 18.30 Uhr ein Rosenkranz. Einen großen Beitrag zum Gelingen des festlichen Gottesdienstes trägt Peter Reischl als Orgelspieler dazu bei.

Peter Reischl an der Orgel

Über 25 Jahre war Irene Butzhammer in Bicheln als Mesnerin tätig.

Mesnerin Irene Butzhammer